Was ist Astanga-Yoga?

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Sri Ramakrishna

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What is Astanga-Yoga? | Astanga-Yoga Munich

Was ist Aṣṭāṅga-Yoga?

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Aṣṭāńga-Yoga ist der achtstufige Weg des Yoga beschrieben von Rishi Patañjali in den Yogasutren.

Der Zustand und der Weg von Yoga wurden zum ersten Mal schriftlich von Rishi Patañjali vor etwa 2000 Jahren zusammengefaßt. In den Sutren (Versen) gliedert Patañjali den Weg des Yoga in acht aufeinander aufbauenden Stufen:

 

treppe

 

1. Yama ist die erste Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 30. Yogasūtra:

tatra ahiṁsā satya asteya brahmacarya aparigrahā yamāḥ |

Dies bedeutet übersetzt aus Sanskrit: yama (Kontrolle) besteht aus ahiṁsā (Gewaltlosigkeit), satya (Wahrhaftigkeit), asteya (Nicht-Stehlen), brahmacarya (Enthaltsamkeit) und aparigrahā (Nichtannahme von luxuriösen Dingen).1

 

2. Niyama ist die zweite Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 32. Yogasūtra:

śauca saṁtoṣa tapaḥ svādhyāya īśvara praṇidhānāni niyamāḥ |

Dies bedeutet: niyama (Disziplin) besteht aus śauca (Reinheit), saṁtoṣa (Zufriedenheit), tapaḥ (Selbstdisziplin, Mäßigung und Genügsamkeit), svādhyāya (Selbststudium, Studium der Schriften und der Physiologie), īśvara praṇidhānāni (Glaube, Liebe und Hingabe).2

Zusammen bilden Yama und Niyama das Fundament des Yoga-Weges. Sie sind nicht so klar definiert wie die asanas (körperliche Stellungen) und müssen vielmehr auf täglicher Basis gelebt werden. Ein starkes Fundament gibt Erfolg in den darauf aufbauenden Stufen.

 

3. Āsana ist die dritte Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 46. Yogasūtra:

sthira sukham āsanam |

Dies bedeutet: die Übungen und Positionen (āsanas) sind  mühelos  bequem und angenehm (sukham) und machen uns beständig und stabil (sthira).3

Die körperlichen Stellungen sind entstanden durch Beobachten der Tiere. Die alten Yogis haben festestellt, dass jedes Tier bei einer bestimmten Situation intuitiv eine Stellung annimmt und dadurch sich vor dem äußeren Einfluss schützt. Deshalb sind die meisten Stellungen nach Tieren benannt worden, etwa Bhujaṁgāsana (Kobra), Kūrmāsana (Schildkrötte), Uṣṭrāsana (Kamelstellung), Kumbhīrāsana (Krokodilstellung) usw. Es gibt so viele Stellungen wie Tierarten - insgesamt 84 lakh (ein lakh ist 100.000). Sie werden auf 84 grundlegenden Übungen reduziert.

 

4. Prāṇāyāma ist die vierte Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 49. Yogasūtra:

tasmin sati śvāsa-praśvāsayor gati-vicchedaḥ prāṇāyāmaḥ |

Dies bedeutet: wenn man darin (den āsanas) gefestigt ist, erfolgt prāṇāyāmaḥ. Dies ist die Kontrolle des Atems durch die Unterbrechung der Ein- und Ausatmung. Nachdem man die āsanas gut trainiert hat, beginnt die Kontrolle über prāṇā (die Lebensenergie).4

 

5. Pratyāhāra ist die fünfte Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 54.Yogasūtra (Teil 2):

sva viṣaya-asaṁprayoge cittasya svarūpa-anukāra iva indriyāṇām pratyāhāraḥ |

Dies bedeutet: Pratyāhāra ist die Technik oder der Weg, durch den die Sinne mit ihren eigenen Objekten nicht mehr in Berührung kommen und in den Geiststoff zurückgezogen werden.5

 

6. Dhāraṇā ist die sechste Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 1.Yogasūtra (Teil 3):

deśa-bandhaś cittasya dhāraṇā | 

Dies bedeutet: Dhāraṇā (Konzentration) ist das Fixieren (bandhaś) des Geiststoffes (citta) auf eine Stelle (deśa).6

 

7. Dhyāna ist die siebte Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 2.Yogasūtra (Teil 3):

tatra pratyaya-ekatānatā dhyānam |

Dies bedeutet: Im Zustand von dhyāna (Meditation) ist die Wahrnehmung (pratyaya) ununterbrochen (ekatānatā) auf einen Ort (tatra) gerichtet.7

 

8. Samādhi ist die achte und letzte Stufe des Aṣṭāṅga-Yoga. Rishi Patañjali schreibt im 3.Yogasūtra (Teil 3):

tad eva arthamātra-nirbhāsaṁ svarūpa-śūnyam iva samādhiḥ |

Dies bedeutet: samādhi (Trance des Erkennens) wird die Meditation genannt, bei der im Bewusstsein nur der Gegenstand der Meditation besteht und das Bewusstsein seiner eigenen Form (svarūpa) entleert zu sein scheint.8

 


1,2,3,4,5,6,7,8 Yogamrita - die Essenz des Yoga, Yogi Paramapadma Dhirananda, Kriya-Verlag, 2004